Archiv für Oktober 2007

Filter gegen Web Trash

Haben Sie manchmal auch die Nase von all dem Cyber-Müll voll, der Sie im Internet verfolgt? Da sind Sie nicht der/die Einzige! In der Internet-Antike, also vor rund 20 Jahren, sollen ja nur ein paar IT-Freaks im Netz unterwegs gewesen sein - der kleine, feine Kreis war sozusagen unter sich. Dann brach der Eternal September wie ein Unwetter über die eingeschworene Community herein. Aufgetaucht ist der Begriff zum ersten Mal im Jargon File, einem Glossar zum Hacker-Slang. Im Webjargon wird mit dem “Ewigen September” das Jahr 1993 bezeichnet, als das Internet massenfähig wurde. Seitdem, so klagen die User der ersten Stunde, habe sich das Web-Niveau kontinuierlich verschlechtert.

Aber jetzt ist Abhilfe in Form einer Open Source-Filtersoftware in Sicht. Damit, so die Hoffnung der Erfinder, soll Blödsinn in der englischen Schriftsprache identifiziert werden. Ob das StupidFilter-Projekt hält, was es verspricht, bleibt abzuwarten. Die Kommentare der Insider sind durchaus ambivalent. Aber egal wie das Experiment weitergeht: ein Versuch ist es allemal wert, den Web-Schrott einzudämmen.

Frequenz, frequent & Co.

Dieser Tage erhielten wir eine Technische Dokumentation zur Übersetzung ins Englische digital auf den Tisch. In der Bedienungsanleitung war von “frequent betrieben” die Rede. Etwas verdutzt ob unseres Unverständnisses spielten wir verschiedene Möglichkeiten gedanklich durch: könnte es eine denglische Verwendung des englischen “frequent” im Sinne von “häufig” sein? Das passte aber nicht so recht in den Kontext. Also kam uns eine ganz abwegige Idee: wie wäre es mit “Frequenzbringer” im Sinne von “Attraktiver Stadtmittelpunkt” oder “Magnet” - z.B. ein Kaufhaus? Das überzeugte uns noch weniger. Sicherheitshalber schlugen wir die Definition von “Frequenz” nach: damit bezeichnet man allgemein die Anzahl von Ereignissen innerhalb eines bestimmten Zeitraums. Das traf es schon eher. Wir übersetzten dann im Sinne von “frequenzgesteuert”. Und was hätte ein automatisches Übersetzungsprogramm gemacht? Natürlich die Übersetzung “frequently operated” im Sinne von “häufig betrieben” ausgeworfen - und haarscharf daneben gelegen. Ab und zu ist der Humanübersetzer den angeblichen Wunderprogrammen doch noch überlegen. ;-)

yakamoz: das sollten Sie kennen!

Dass bei allen möglichen Miss-Wahlen jährlich die Schönsten aus einer Stadt, Region oder der Welt gekürt werden, wissen wir. Weniger bekannt ist das “Wissenschaftsjahr 2007“, das dieses Jahr unter dem Motto “Die Geisteswissenschaften. ABC der Menschheit” steht. Die stärkste Klammer, die die Geisteswissenschaften zusammen hält, ist die Sprache als unverzichtbare Basis jeder Art von Denken. Daher ist es nur logisch, im Rahmen eines Wettbewerbs “Das schönste ABC der Welt” zu suchen. Die Jury hat aus knapp 2.500 Einsendungen das türkische Wort “yakamoz” gewählt: es bedeutet “die Widerspiegelung des Mondes im Wasser” - fürwahr ein schönes Bild für die Einheit von Himmel und Erde. Besonders beeindruckend fanden die Juroren, dass in der türkischen Sprache mit einem einzigen Wort etwas beschrieben werden könne, wofür man in anderen Sprachen mehrere Substantive benötige.

Sie wollen wissen, welche Sprachen auf den weiteren Plätzen landeten? Kein Problem, schauen Sie sich die Broschüre des Instituts für Auslandsbeziehungen an.

Couch Potatoes etc.

Was eine couch ist, weiß eigentlich jedes Kind: da kann man es sich im Liegen bequem machen. Und potatoes? Das sind die braunen runden Knollen aus der Erde. Was sind dann couch potatoes? Es sind keine Kartoffeln auf der Couch - gemeint ist eine bestimmte menschliche Spezies: Früher hießen sie Stubenhocker. Im Web-Jargon werden sie auch als Sofa-Surfer bezeichnet.

Aber was ist Couch-Surfing? In etwa das exakte Gegenteil der Sofahocker und gleichzeitig ein neuer Reisetrend. Hinter dem Begriff Couch-Surfing verbirgt sich nämlich ein internationales Netzwerk von Menschen, die ihre Türen für Gäste aus dem Ausland jederzeit offen halten und irgendwo eine freie Couch herumstehen haben. Früher hieß das Mitwohngelegenheit. Im Internetzeitalter wird den Reiselustigen aber ein Mehrwert geboten, nämlich der Kontakt zur jeweiligen Community der Gastgeber.

Haben Sie schon Bekanntschaft mit diesem neumodischen Reisetrend gemacht? Wenn nicht: der nächste Urlaub kommt bestimmt.

Dialektal gegen die Globalisierung?

Schwäbisch ist ja nicht unbedingt überall hoffähig. Allerdings hat die südwestdeutsche Nachsynchronisation einer Szene aus einem “Star Wars”-Film erheblich für Furore gesorgt. Darth Vader und seine Getreuen lästern schwäbelnd über TV-Werbung und diskutieren über die Bedeutung von viralem Marketing. Der zweiminütige Spot „Virales Marketing im Todesstern Stuttgart“ ist über eine halbe Million Mal gesehen worden.

Die mundartliche Filmuntertitelung hat Hochkonjunktur, wie eine Schnellrecherche bei YouTube & Co beweist: den “Ritter der Kokosnuss” oder “Die Osbournes” gibt’s auf Schwäbisch. Und andere deutsche Dialekte stehen dem in nichts nach: die Blau-Weiß-Fans kommen bei Full Metal Jacket sprachlich auf ihre Kosten.

Es bleibt abzuwarten, ob der dialektale Vorstoß in deutschen Landen eine Eintagsfliege bleibt oder sich zu einem flächendeckenden Phänomen auswächst. Was ist Ihre Prognose?

Nächste Seite »