Harry Potter ist nicht nur ein talentierter Hexenmeister, sondern auf dem besten Weg zum englischen Lehrmeister für deutsche Schulkinder, wie in “Translating is an Art” zu lesen ist. “muggle“, “quidditch” und “house elf” sind kein Buch mit sieben Siegeln mehr. Gerade die Deutschen scheinen scharf auf die Originallektüre zu sein: man will nicht auf die Übersetzung warten und poliert gleichzeitig sein Englisch auf. Freuen darf sich der Verlag Bloomsbury, da die Hälfte des Potter-Umsatzes im Ausland generiert wird. Der Rummel um dieses Kultbuch scheint noch nicht abzuebben.
Archiv für September 2007
Große Koalition: ein Herz für den kleinen Mann
Veröffentlicht September 27,2007 Allgemeines , Sprache 0 KommentareJetzt hat man in Berlin auch die Sprachpolitik entdeckt und wird aktiv, wie Ines Balcik schreibt. Laut einem Bericht der Saarbrücker Zeitung soll die Verwendung von Anglizismen in öffentlichen Einrichtungen wie Bahnhöfen und Flughäfen eingedämmt werden. “DB Carsharing” oder “Service Point” sollen eingedeutscht werden. Ein entsprechender Antragsentwurf liegt schon vor. Stein des Anstoßes sind 7.000 englische Begriffe, die ihre deutschen Pendants verdrängt haben. Da ein Drittel der Bevölkerung diese nicht verstehe, so wird argumentiert, sollen die Anglizismen außen vor bleiben. Schließlich müsse man der sozialen Ausgrenzung in unserem Land einen Riegel vorschieben.
Ob diese politische Initiative eine Reaktion auf den “Sprachpanscher 2007” ist, der dieses Jahr an Bahnchef Mehdorn vergeben wurde?
Zwitschern wie die Vögel oder Schnattern wie die Gänse - das können Sie mit dem Mikroblogging-Tool TWITTER. Beim Social Networking der User geht es nur um eine Frage: “What are you doing?” Mit max. 140 Zeichen erzählen sie sich, was sie gerade treiben und was sie umtreibt. Das alleine ist nicht besonders spektakulär. Mittlerweile wird die Zwitscher-Software aber immer mehr auf Kongressen und Events eingesetzt, wie der PR Blogger meldet. Jeder Teilnehmer kann aktuelle “Tweets” absetzen, so oft er will - und auch noch kostenlos. Kein Wunder, dass die Community ein starkes Jahr nach Gründung von twitter.com schon auf stattliche 500.000 Mitglieder angewachsen und auf dem besten Weg zur Killerapplikation ist. Medienschwergewichte wie Barack Obama, BBC und CNN sind schon vorne mit dabei.
Wie viele C-Titel gibt es in der Wirtschaft?
Veröffentlicht September 25,2007 Business , Englisch & Denglisch 0 Kommentare
So langsam muten die Chief-Titel fast inflationär an. Der CEO, CFO oder CTO ist uns schon in Fleisch und Blut übergegangen. Aber die Titelschwemme lässt sich beinahe endlos fortsetzen, wie Basic Thinking Blog meint. Eine ansehnliche Liste findet sich in Karriere-Bibel und die Auflösung mancher C-Rätsel in Wikipedia.
Zwei neue Varianten fallen mir ganz spontan ein: Der CFO als Chief Fraud Officer und der CSO als Chief Streamlining Officer. Der eine mag den Kampf gegen die Korruption aufnehmen und der andere dafür sorgen, dass intern alle schön auf Kurs bleiben.
Welche C-Ideen kommen Ihnen in den Kopf?
Der Prozess gegen den Spediteur Betz wird nicht nur in seiner Heimatstadt Reutlingen von der Lokalpresse mit Interesse verfolgt. Der Bremer Sprachblog hat den Fall aufgegriffen. Das Geständnis eines wichtigen bulgarischen Zeugen der Anklage könnte möglicherweise für ungültig erklärt werden, weil ein linguistischer Sachverständiger Zweifel an dessen Echtheit geäußert hat. Laut Gutachter reichen die Deutschkenntnisse des Bulgaren bei Weitem nicht aus, um flüssige Sätze zu formulieren. Diese finden sich aber in den Vernehmungsprotokollen der Polizei, die in bestem Behördendeutsch formuliert wurden. Jetzt besteht der Verdacht, dass der Zeuge das von ihm unterschriebene Polizeiprotokoll falsch verstanden hat …
Haben Sie schon Erfahrung mit unverständlichem Behördendeutsch gemacht?

