Archiv für August 2007

Neuer “Trendsport” aus New York

Die New Yorker zeichnen sich mal wieder durch eine skurrile Idee aus. In den noblen Stadtvierteln sind nachts immer wieder Gruppen von Menschen zu beobachten, die zum Dumpster-Diving ansetzen. Bei diesen konspirativ anmutenden Streifzügen fischen die Teilnehmer vor Feinkostläden und Restaurants die Delikatessen des Tages aus den Müllbergen. Wer denkt, dass es sich um Obdachlose und Gestrandete handelt, wird in dem ZEIT-Artikel “Leben aus der Mülltonne” eines Besseren belehrt: die Müll-Angler sind hauptsächlich Studenten, die sich als Freeganer bezeichnen und etwas gegen Ressourcenverschwendung haben. Wenn man sich die Beute ansieht, ist das unappetitliche Müll-Tauchen gar nicht so weit weg vom Lobster Diving - nur mit dem Unterschied, dass man dort nach lebenden Hummern fischt.

Und was können die Deutschen lernen? Was in USA gestattet ist, geht hier noch lange nicht durch: nach der Rechtsprechung hat selbst der deutsche Abfall einen Besitzer. Daher ist Müll-Klau verboten.

Englische Geschäftssprache

Die englische Geschäftssprache kann ganz schön tricky sein. Und mit wörtlichen Übersetzungen kommt man auch nicht besonders weit. Anbei einige Kostproben aus Lost in Language.

Die Sprache der Heuschrecken

Wer meint, dass die Wirtschaft eine klare und präzise Sprache goutiert, sollte sich den Artikel Die Poesie der Heuschrecke aus der Süddeutschen gönnen, den Ines Balcik aufgestöbert hat. “Kuschelecken” müssen aufgelöst und die allgegenwärtigen “Wildwüchse” zurückgeschnitten werden: Die Wirtschaftspresse ist manchmal spannender als der beste Krimi.

Noch nebulöser wird es, wenn englische Begriffe verwendet werden. Whistle Blowing ist nicht das Trillerpfeifenkonzert bei Streiks und Window Dressing ist nicht die Schaufenstergestaltung. Tja, das richtige Image fängt eben bei der Sprache an.

Mit Avataren auf Du und Du: Weblin

Wollten Sie nicht schon immer die Leute treffen, die auf der gleichen Website wie Sie surfen?

Das ist mit Weblin möglich. Wenn es nach den Erfindern geht, ist Weblin unser Alter Ego, mit dem wir andere Menschen im Internet kontakten. Dieses Kommunikationstool wurde auch schon prämiert. Beim Cyber One Award 2007 wurde es mit einem Sonderpreis ausgezeichnet.

Sollte der Service einschlagen, könnte man auf stark frequentierten Websites vor lauter Besuchern nichts mehr sehen. Ein soziales weißes Rauschen also. Man müsste sich in einen wirklich schlechten Artikel flüchten, um sich in Ruhe mit den anderen Avataren unterhalten zu können. Uninteressante Inhalte könnten so bald sehr gefragt sein :-) Man darf gespannt sein, wie sich das innovative Geschäftsmodell entwickelt.

Englische Sprache, schwere Sprache?

Deutsch gilt als schwere Sprache. Und Englisch? Die Globalisierungssprache kann gerade für Deutsche ganz schön tricky sein. false friends leiten uns leicht in die Irre. Diese zweisprachigen Wortpaare erscheinen wie eineiige Zwillinge, sind aber allenfalls Geschwister. Nehmen wir das Vielzweck-Wort mean mit 30 Bedeutungen und lassen uns fachkundig aufklären. Eric T. Hansen, US-Schriftsteller aus Berlin mit untrüglichem Instinkt für sprachliche Grenzfälle, bloggt aus amerikanischer Sicht für seine Wahlheimat.

Der Deutschlandkenner zitiert eine Freundin: “I mean President Bush is not good for the reputation of America”. Klingt doch gut, oder? Nun, die Dame wollte sagen “ich meine”. Sie lag aber haarscharf daneben und sagte “ich bedeute”.

Wer meint, diese Klippe locker umschifft zu haben, sollte bei dem Wahl-Berliner weiterlesen: ein SMS-Fan könnte über die Beendigung einer Beziehung per Handy so auf Englisch lamentieren: “Breaking off our relationship with a text message was just plain mean. ” Und noch etwas aus dem Statistik-Universum zum durchschnittlichen Einkommen in Deutschland: “The mean annual income of a citizen of Germany…”. Sehr lesenswert ist auch die englische Seite des Hutliebhabers.

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